Aus organisatorischen Gründen 3

Ich komme gerade vom Arbeitsamt. Auf der Rückfahrt schwelgte ich in Erinnerungen. Was war das ne schöne Zeit als ich kein ALG 1 sondern ALG 2 (Hartz 4) bekam. Das Amt war zu Fuß in 10 Minuten zu erreichen was aber meistens nie nötig war, so gut wie alles wurde telefonisch oder per E-Mail erledigt. Wenn was unterschrieben werden musste hat meine „Fallmanagerin“ mir das sogar zugeschickt. Die persönlichen Termine waren mehr so Smalltalk, wie läuft´s und so. Und wenn man dann mal wieder einen Job gefunden hatte, hat das Amt sich mit einem gefreut. Plus sofort Anträge für Fahrtkosten, Mehraufwand usw. rübergeschoben. Good Times.

Ich glaube nicht das ich in meinem Leben nochmal länger als ein Jahr am Stück arbeiten werde. Dann sollen sie mich nach 11 Monaten feuern und 2 Monate später wieder einstellen von mir aus. Hauptsache, es entsteht KEIN Anspruch auf ALG 1. Weil das ist ja total kacke, das „normale“ Arbeitsamt. I miss you, Frau R.

Wer diese spannende Trilogie seit Beginn verfolgt weiß: Ich wollte einen einzigen dämlichen Probearbeitstag legitim kriegen, weniger wegen Schwarzarbeit, denn ich glaube kaum das an ausgerechnet diesem Tag der Zoll die Firma stürmt. Mir ist aber wichtig das ich versichert bin denn in meinem Beruf gibt´s keine kleinen Arbeitsunfälle. Ab Knochenbruch aufwärts. Und sowas unversichert heisst: Pleite for ever.

Und so bin ich pünktlich um 8 beim Amt aufgeschlagen. Erstmal Infotheke: „Guten Tach, ich soll einen Probetag in einer Firma arbeiten und zwar…“ – jähe Unterbrechung: „Ja dann machen Sie das doch!“. „Will ich ja, aber das muss erst genehmigt werden.“. „Wer sagt das?“. „Die Hotline-Frau. Namen weiß ich nicht.“.

Ich wurde in eine Wartezone geschickt wo ich dann wartete. Das ist so ein Riesenraum und ganz hinten am Horizont sind Schreibtische mit Beratern. Die flüstern manchmal leise wie ein heiseres Mäuschen einen Nachnamen. Wenn man Fledermausohren mit Hörgerät drin hat, bekommt man´s vielleicht mit. Ich verließ mich mehr auf Übersinnliches und es klappte, ich FÜHLTE das ganz weit weg mein Name gesagt wurde. Ich ging auch zum richtigen Schreibtisch, ok ich hab unterwegs einmal ne Pause gemacht und etwas gegessen. Ist aber auch weit.

Beraterin Nr.1 hörte sich meine mittlerweile echt traurige Geschichte an und überraschte mit der Frage: „Die Betriebsnummer der Firma, also vom Finanzamt die, wissen Sie die?“. „Klar, das ist immer das Erste, wonach ich frage.“. Pause. Wieder ich: „Nur Spaß. Weiß ich nicht.“. Dann spielten wir ca. eine halbe Stunde: Finde die Firma im Computer mit der Suchfunktion. Als eine Kollegin dann eingriff klappte es. Jetzt müssten wir eigentlich durch sein, dann kann ich ja noch ein wenig arbeiten gehen. Ha.

„Jetzt können Sie zum Berater im 2. Stock, der hat noch ein paar Fragen.“. Darf doch wohl nicht wahr sein. Was denn noch? Alles was ich will ist EINEN Tag arbeiten, OHNE Lohn.

Der Berater im 2.Stock fragte all das schon gefragte erneut und ich antwortete wie gehabt. Dann fragte er ob die Stelle denn Vollzeit wäre. Ich meinte, das wir uns über Arbeitszeiten, Lohn und sowas noch nicht unterhalten haben. Und das sowas bei Firmen nicht sooo gut rüberkommt, wenn man das als erstes fragt. Nur: „Wo muss ich den Krankenschein hinschicken?“ kommt noch blöder.

„Ja weil wenn das nicht Vollzeit ist, kann ich das nicht genehmigen.“. Also war alles natürlich totaaal Vollzeit. Noch länger sogar. Und nach nur zweieinhalb Stunden bekam ich den ersehnten Zettel: Ich durfte einen Tag ganz legal arbeiten ohne Geld zu verdienen. Das nächste Mal stell ich einen Antrag ob ich in der Innenstadt harte Drogen verkaufen darf. Schwieriger kann das auch nicht sein.

Für heute war der Zug natürlich abgefahren und ich darf ja auch NUR morgen arbeiten, steht ja auf meinem Zettel. Da steht übrigens auch, das mir die Kohle gesperrt wird wenn ich morgen NICHT arbeiten gehe. Der dritte Anruf beim Chef war echt schon mittelpeinlich, das muss sich ja langsam alles anhören als würde ich´s erfinden. Aber er hat auch drüber gelacht, scheint ganz ok zu sein.

Morgen um 6 geht´s also endgültig los. Nichts kann mich aufhalten. Das Ding hier BLEIBT eine Trilogie.

Über derpeavy

Ich bin ein toller Hecht. Aber wirklich.
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6 Antworten zu Aus organisatorischen Gründen 3

  1. Windmuehle schreibt:

    Oh Mann, das ist echt grenzwertig. Ich möchte ja nicht im AA arbeiten. Dazu muss man geboren sein. Soviel Stumpfsinn und Dilettantismus ist nicht jedem in die Wiege gelegt.
    War nicht mal der Sinn und Zweck des AA, den Arbeitssuchenden Arbeit zu beschaffen?

    Da gab’s mal einen Spruch. Der ging ungefähr so: Wer glaubt, dass er vom Arbeitsamt einen Job bekommt, glaubt auch, dass ihm das Ordnungsamt die Küche aufräumt.

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    • derpeavy schreibt:

      Da gibt´s auch einen passenden Witz:

      Arbeitssuchender: „Guten Tach, ich suche Arbeit.“
      Arbeitsamt: „Kein Problem, Sie fangen morgen an, arbeiten nur dienstags und kriegen 3000 netto!“
      Arbeitssuchender: „Wollen Sie mich jetzt verarschen?“
      Arbeitsamt: „Sie haben doch damit angefangen.“

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  2. heavensent87 schreibt:

    Ich liebe deine Schilderungen. Aber: du machst watt mit, du!

    Meine Lieblings-Episode beim Amt: vor ca. eineinhalb Jahren hamse mir’nen Brief geschickt und mir direkt mal damit gedroht, mir die Bezüge zu kürzen, wenn ich nicht sofort, am Besten gestern, endlich Bewerbungsnachweise einreichen würde. Das Irrwitzige an der Sache ist: ich bekomm nix von denen. Hab mich nur mal kurz bei denen gemeldet, als mein letzter befristeter Arbeitsvertrag bei meinem Verein am Laufen war und man mir nicht 100% sicher sagen konnte, ob ich bleiben darf, nur zu 99.9% und das war mir einfach zu wenig. Dann kam der unbefristete Vertrag, was ich beim Amt auch mitgeteilt hab, fertig. 2 Monate später kam der Brief. Daraufhin hab ich geschlagene 2 Wochen lang versucht, irgendwen von dem Verein zu erreichen, um denen zu sagen, dass sie den Kopf zu machen sollen. Es kam übrigens noch ein zweiter Brief, gleiche Drohung. Als ich dann endlich mal wen am Rohr hatte, der irgendwie zuständig war, kam nur: „Ah. Oh. Mh.“ *blätterndes Geräusch im Hintergrund* „Tja. Daaaa…haben wir uns anscheinend geirrt.“

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