Schwarzfahren im Wandel der Zeiten

Gestern musste ich zu einer Location die gaaaanz weit weg war. Ich benötigte ein Verkehrsmittel und wählte die Straßenbahn. Nach dem Einsteigen entwertete ich mein 4er Ticket, setzte mich und sah gut aus. Wenige Minuten später sollte sich das auszahlen, ich wurde kontrolliert. Ich werde gern kontrolliert wenn ich bezahlt habe. Wenn ich bezahle und werde nicht kontrolliert ist das sinnloses Geldausgeben und nervt.

Die Kontrolette sah sich mein Ticket genau an und meinte:“Das ist am 17. im 64er abgestempelt worden. Da stimmt ja gar nix.“. Ich entgegnete: „Dann liegt das am Entwerter, ich habe gerade eben nach dem Einsteigen gestempelt.“. Da kein ungültiger Fahrschein zur Hand war bastelte die Kontroleuse einen ähnlich großen Zettel und stempelte. „Ganz normal alles und der Stempel hat auch ne ganz andere Farbe als bei Ihnen.“. Ich wurde etwas lauter, als ob nicht sowieso schon die halbe Bahn auf mich achtete: „Was wollt Ihr mir erzählen hier? Ich bin stocknüchtern und habe keine Medikamente genommen. Also weiß ich ganz sicher das ich HIER eingestiegen bin, dann HIER (gestikulierend) abgestempelt habe bevor ich mich HIER hingesetzt habe.“. „Tja, der Stempel sagt aber was anderes…“, meinte Kontrolina altklug.

Ich musste die nächste raus und wusste zu der Situation auch nix mehr zu sagen, also machte ich auf: „Mir egal, ich hab die Kohle.“. Ich sagte: „Wird mir zu blöd hier, ich muss auch die nächste raus, hier ist mein Ausweis, machen se meine Personalien klar.“. „Wir steigen auch gerne mit Ihnen aus!“ meinte die Kontroverse fürsorglich. Und dann hatte ihr Kollege einen Einfall: „Haben Sie vielleicht noch eine 4er-Karte?“. Hatte ich. Und die war absolut korrekt abgestempelt. Ein Raunen, das übersetzt: „Was ein Honk.“ bedeutete ging durch die Bahn. „Tja, sorry, jetzt sind die ganzen Schwarzfahrer natürlich längst ausgestiegen.“, sagte ich den Kontroden und die wünschten mir lachend: „…trotzdem einen schönen Tag.“. Wieder etwas berühmter.

Heutzutage bezahl ich immer, früher war ich leidenschaftlicher Schwarzfahrer. Ich glaube, diese Straftaten (oder sind´s nur Ordnungswidrigkeiten?) sind verjährt also kann ich´s hier ruhig zugeben. Andere Sachen, wie die Zugentführung, gestehe ich weit später.

Früher war Schwarzfahren aber auch einfach. Für die S-Bahn hatte ich immer ein nicht abgestempeltes Ticket dabei. Wenn Kontros kamen bin ich zu denen hin und hab behauptet ich konnte nicht entwerten weil der Entwerter (S-Bahn Haltestelle) kaputt ist. Dann haben die mit Kuli den Fahrschein entwertet, ich hab mir einen neuen gekauft und bin da wieder monatelang mit rumgefahren. Der Trick mit dem zerrissenen und mit Tesa repariertem Fahrschein (vom Tesa konnte man mit wenig Spucke den Stempel entfernen) funktionierte in den 80ern nur noch manchmal, der Kniff stammt aus den tiefsten 70ern. Braucht man heute nicht mehr probieren, kennt jeder. Ein befreundeter Chemiestudent brachte früher manchmal so ne selbstgemachte Lösung mit, Fahrschein 12 Std. einweichen – Stempel weg. Geht heute bestimmt auch nicht mehr. Genau wie der: „50 Scheine-Trick“. Wenn man kontrolliert wurde schmiß man total schusselig ca. 50 Fahrscheine auf den Boden. Dazu sagen: „Scheisse, welcher war denn jetzt von heute?“, hat kein Kontro Bock drauf, Freifahrt.

Bei den Bussen kam damals auf, das man nach 20 Uhr vorne einsteigen und den Fahrschein vorzeigen muss. Damals haben die Busfahrer aber gar nicht drauf geachtet was man da vorzeigt. Ich war mit einer Monatskarte unterwegs die seit Jahren nicht mehr gültig war. Hat sich nie jemand genauer angeguckt.

Ich war so ein professioneller Schwarzfahrer, da hing sogar ein Kontrolleur mit drin. Der hat mich immer mit Absicht übersehen, war der Vater eines Kumpels. In der S-Bahn sind die früher auch vorne eingestiegen und dann nach hinten durchgegangen. Bis die ganz hinten waren war man schon längst draußen. Heute sind se besser organisiert, da kommen die von allen Seiten.

Was man früher auch machen konnte: Im Hauptbahnhof zur Info gehen und behaupten der Automat hätte einen Zehner oder Zwanni gefressen ohne Ticket und Wechselgeld rauszurücken. Man musste nur ein kleines Formular ausfüllen dann bekam man das Geld in bar auf die Hand. Ich kenn einen, der hat das an einem Tag in 4 Städten gemacht. Heute kriegt man das Geld überwiesen, aber erst nachdem der Automat genau gecheckt wurde. Das klappt nur noch, wenn´s wirklich stimmt.

Nee, heutzutage bezahlt man besser. Auch so Lebensformen wie Kontrolleure lernen dazu. Noch ein Song zum Thema. Kannte ich auch noch nicht, danke DuRohr.

Über derpeavy

Ich bin ein toller Hecht. Aber wirklich.
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2 Antworten zu Schwarzfahren im Wandel der Zeiten

  1. richardhorn1963 schreibt:

    Bei Dir kann man immer schon auf „Gefällt mir“ klicken, bevor man den Text liest. Weil er einem dann sowieso gefällt!

    Genieß die Hitze und stay sharp!

    Gefällt 1 Person

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