Schöner wohnen.

Vor einer Weile sagte Frauchen zu mir: „Früher waren so Wohnwände ja total häßlich, aber heute gibt´s da Sachen die sehen soooo toll aus!“. Wenn das: „so“ bei „so toll“ 3 E´s zuviel hat höre ich in meinem Kopf den Soundtrack vom weissen Hai, näher kommend, lauter werdend. Dam-dam-dam-dam…. So bedrohlich, weil ich nichts mehr ändern kann. In ihrem Kopf steht das Konzept schon, die Wohnwand ist auch schon ausgesucht. Mir eben Bescheid sagen das Arbeit und Stress auf mich zukommen ist bei der Planung der letzte und unwichtigste Schritt.

Wenn ein neues Möbel kommt ist das selbstverständlich eine tolle Gelegenheit alle anderen Möbel auch umzustellen. Das Aquarium aus dem Wohnzimmer kommt auf den Schrank aus dem Schlafzimmer. Und beides kommt dann ins Arbeitszimmer. Das Arbeitszimmer-Aquarium kommt auf einen ganz neuen Schrank und dann neben die Schlangen. Die kommen auch auf einen neuen Schrank, ein alter Schrank wird verkauft (Massivholz), ein anderer (IKEA) verschenkt.

Freitag nachmittag gingen wir voller Elan an´s Werk. Der Plan war wie folgt:

  • Freitag: Möbel abrücken und zum Teil verrücken, die alten Tapeten abknibbeln, grundieren, abkleben
  • Samstag: Putz aufziehen (ich mach ne Rauhputzwand)
  • Sonntag: Wand streichen, Möbel zusammenbauen und andübeln. Ta-da!

Die Realität weicht vom Plan etwas ab, da ist ne quantenmechanische Unwucht.

  • Freitag: Stunden mit Sortieren der CD´s und DVD´s zugebracht. Was da teilweise für ein Müll bei war. Aber auch verlorengeglaubte Schätzken tauchten wieder auf. Hauptsächlich geht´s darum, die alphabetische Reihenfolge nicht durcheinander zu bringen. Dann die VHS-Kassetten, echt traurig. Eine nette kleine Sammlung echt kranker Filme. Die 120 Tage von Sodom, Nekromantik, Pink Flamingos, Street Trash u.v.m. Früher mein ganzer Stolz, heute wertlos. Kann ich nicht wegwerfen, ziehen in den Keller. Dann bis in die Nacht Tapeten abgeknibbelt und trotzdem nicht fertig geworden. Normalerweise schimpfe ich dann über den Idioten der die Tapeten angeklebt hat. In diesem Fall bin ich das aber selbst. Da machste nix.
  • Samstag: Zuende geknibbelt, grundiert, abgeklebt. Und dann Putz aufgezogen. Nachdem die Hälfte fast fertig war holte Frauchen noch einen Eimer Putz. Der Fehler hierbei war: Zweimal fast die Hälfte ist kein Ganzes. Und so fehlt jetzt noch ein recht großes Stück. Sieht wie ein Pferd aus.
  • Sonntag: Kann jetzt nix machen. Morgen nach der Arbeit holen wir Putz und kriegen vielleicht wenigstens das fertig.

Hab ich ja ganz vergessen zu erwähnen: Unser Kühlschrank ist auch platt, morgen kommt ein neuer. Unser Essen ist bei Nachbarn im Kühlschrank. Gemütlich ist anders. Jetzt hätte ich ja Zeit, die Gartenhütte fertig zu sprühen. Aber Schwarz ist alle. Halbfertige Wände wo ich auch hinguck. Aber wird schon. Und wenn´s fertig ist dann ist wieder irgendwas anderes. Kein Ende. Ein Arbeitskollege formulierte es mal so: „Das ist alles Syphilis – Arbeit.“.

Über derpeavy

Ich bin ein toller Hecht. Aber wirklich.
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8 Antworten zu Schöner wohnen.

  1. Berta schreibt:

    Zum Brüllen komisch – wenn man auch ein Frauchen ist. 😆
    Die Unwucht taucht bei uns auch immer wieder auf, wie ein ungebetener Gast. Hier wärt ihr heute schon mal losgezogen, hättet das ausgegangene Material gekauft und schon bissel weiter gefriemelt. Aber fertig, oder zumindest wieder im zeittechnischen Plan, wärt ihr sehr wahrscheinlich trotzdem nicht. Also, was soll´s. Hauptsache, es wird schön.

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  2. emmitsomo schreibt:

    Lol… wie süß…! Ja, das sieht bei mir nicht anders aus. Echt mal. Habe vor Monaten mal gestrichen, hat auch geklappt und so, bis auf eine Ecke, wo das Bett steht und wo ich das nicht wegschieben kann, ich musste nur die restlichen Wände fertig haben für die neuen Möbel (weil alte kaputt und so… ging fast das ganze Geld vom letzten guten Job drauf und nun geht nix mehr, mehr Möbel müssten her aber was soll’s… man will nich dass ich mich wohlfühl, nich mal meine Protest Bewerbungen haben das erforderliche Einverständnis gebracht, aber die ahnen ja nich was ich alles brauch…, immerhin gab’s ne Absage weil ich ja so aussergewöhnlich frech geschrieben hab, na toll). Wo war ich: es sieht aus wie ein Quadrat, auch weiß aber anderes Weiß halt. Ich konnt mich bis heut nich durchringen das fertig zu stellen weil ich den Ort hier eh nich mag. Jaja wirste wieder sagen, dann mach was, änder das, aber geht nich so schnell und manchmal gibt es dominante Leute (meist in Familien) die bestimmen wo man lebt was man tut wie man sich fühlt. Und auf jobcentern auch, nich nett… Na, so halt.
    Heute bin ich schiefe Möbel gewöhnt weil ich alles selber mach (nich wie bei meinem Ex der sie fast immer selber zertrümmerte und dann freiwillig wöchentlich neue kaufte und ich durfte nie was mitentscheiden also meistens…), und andere wurden von den Lieferanten verhunzt die sie gebracht haben, so nett diese aufzubauen waren sie aber dann guckt man hinterher halt doch blöd, wenn da noch so Schienen, Eckstücke oder seltsame undefinierbare Teile rumliegen, die wohl irgendwo reingehören, aber wohl vergessen wurden. Und Ikea beantwortet keinen Anruf. Hab ich schmerzlich erfahren müssen… Man lebt mit Defiziten, geht nich anders.. aber in der Natur is auch nie was wirklich gerade, sag ich mir so als Trost. Da geht das.

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    • derpeavy schreibt:

      Ich hatte früher in der WG ein Waschbecken im Schramk. Da hab ich reingekotzt und den Schrank 5 Jahre nicht wieder geöffnet. Wer diesen Pandora-Schrank später öffnete hat mein komplettes Mitleid. Ich hatte früher gar keine Möbel nur so Holzplatte mit Ziegelsteinen als Tisch und als Bett nur Matratze.

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      • emmitsomo schreibt:

        Lol… ich schlafe immer noch im selben Bett, auf das damals ein sehr sehr dicker Freund (also Bekannter und wirklich nur so) draufgesprungen ist, kurz nachdem es neu war. (Wir wollten alle Fernsehen und ich war die einzige in der WG mit einem Fernseher, nix falsches denken bitte… ) Jetzt is das Bett alt und ich auch. Und immer noch gehören wir zusammen.
        Ich hatte auch mal ein Zimmer, da hatte ich nur so ein kleines Bett und ansonsten hörte man die Heizung im Keller ganz gut summen und auch sonst war da nur ein Minifernseher in der Küche und da gab es nur das Erste, mit dem man nich besser sah weil es soo ein kleiner Fernsehr war. Sehr öde alles, „Verbotene Liebe“ war immer mein Highlight damals weil es auch nichts anderes gab, sagte ich ja schon. *ausatmen*. (War die Zeit wo ich eher Punks als Freunde hatte als andere… )
        Jedenfalls ist dieses Bett meine „Hauptbeziehung“, mit den anderen Betten hab ich nur kurze Stelldicheins oder saisonale Anliegen gehabt…je nachdem wie lange ich da wohnte..loool.
        Leben: auf alten Möbeln liegen, schlafen und schreiben. *schnarch*

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  3. gegenvernunft schreibt:

    Musste ich jetzt spontan dran denken:

    Tocotronic – Macht es nicht selbst

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